Träume ersegeln - Mittelmeer/Ägaeis mit Skipper Manni

Die Reise nach Ägypten

Ich habe mir meinen Traum erfüllt! 2. Teil

 

Nachdem ich im ersten Teil meines Reiseberichtes die Überführung eines Segelkatamarans von  Port Leucate in Südfrankreich nach Bodrum in der Türkei geschildert habe, berichte ich nun von einem Segeltörn von Bodrum in der Türkei nach El Gouna am Roten Meer. Das Boot heißt „the big easy“ und ist ein 13 m langer und 7 m breiter Katamaran mit 1,30 m Tiefgang und 4 Doppel- und 2 Einzelkojen.

 

Am Ende der ersten Chartersaison, ging es am 10. November los. Mit 20 kg Übergepäck – beim Einchecken hat die junge Dame mit dem Finger gedroht und mit den Augen gezwinkert - kam ich nachts um 01:30 Uhr in der Türkei an. Da der Fahrer, der mich vom Flughafen Izmir abholen sollte, auf den erst 50 km dreimal einnickte, bin ich die letzten 150 km selbst gefahren. Im Sommer dauert der Transfer vom Flughafen Bodrum zur Marina aber nur 20 Minuten. Um 13:00 Uhr erschien Rudger, ein 60-jähriger Profiskipper, der die Tour mit mir machen wollte. Im türkischen Nordzypern sollte Ümit Uzun noch zusteigen, ein 27 Jahre alter Deutscher, türkischer Abstammung, ein Veranstalter von Abenteuerreisen, der den Cat 2005 schon für mehrere Wochen gechartert hat. Rudger brachte pfälzer Dosenwurst mit, leider aber auch gewaltige Wolkenbrüche und starken Südost-Wind. Überhaupt haben uns Wind und Wetter bei diesem Törn den Zeitplan gehörig durcheinander gebracht. Am Freitag um 11:00 Uhr ging es mit Verspätung endlich los und dann auch nur bis Datca, weil uns einfiel, dass wir am Wochenende wohl in keinem anderen türkischen Hafen ausklarieren konnten. Wir haben dort noch mal Rotwein nachgebunkert – Migros hatte ein sehr gutes Sonderangebot. Am Samstag kochte Rudger seinen ersten Eintopf. Während er Kartoffeln und Gemüse vorbereitete, nutzte ich die sehr schmale, nur 4 m tiefe Durchfahrt zwischen der wunderschöner griechischen Insel Symi und Nimos. Das Wetter war herrlich, eine leichte Brise trieb uns an und von der CD schwärmte der „King of Boogie Woogie“ Errol Dixon „A colser walk with Thee“. Diese gute Stimmung hielt bis kurz vor Rhodos, als uns nachmittags eine Sturmwarnung erreichte, angeblich 11 - 12 Windstärken aus Südost. Also haben wir eine zweite Wettermeldung eingeholt. Da diese die erste Sturmwarnung im wesentlichen bestätigte, sind wir in die sichere Marina von Rhodos–Stadt eingelaufen. Als gegen Mitternacht immer noch alles ruhig war, meinte Rudger: „Wenn jetzt nicht bald Sturm kommt, werde ich stinksauer.“ Musste er nicht; gegen morgen fing es richtig zu blasen an. Keine 12, aber satte 10 Bft. Bei 52 Knoten oder knapp 100 km/h Windgeschwindigkeit verabschiedete sich unsere Gangway, verklemmte sich zwischen Schiff und Kaimauer und riss die komplette Halterung aus der Stufe. Gewaltige Wellen brandeten von außen gegen die Hafenmauer und schossen haushoch in die Höhe. Wir lagen im sicheren Hafen, nutzten die Zeit und haben uns Rhodos angesehen. Die Saison war vorbei und die Geschäfte in der Altstadt schon geschlossen. Montags nachmittags hatte sich der Wind soweit beruhigt, dass wir um 17 Uhr ausgelaufen sind. Ümit erwartete uns schon sehnsüchtig auf Zypern, und uns erwartete draußen noch eine ordentliche Dünung. Bis Girne, im türkischen Teil Zyperns, hatten wir ca. 270 Seemeilen vor uns, die voraussichtliche Ankunftszeit war also Mittwochmorgen. Nach einigen Stunden stabilisierte sich der Wind auf 3–4 Bft. und ich setzte volle Segel. 44 m² Genua (Vorsegel) und 67 m² Großsegel. Da Rudger schlief, habe ich diesen Kraftakt alleine bewältigt, anschließend pfiffen meine Lungenflügel in Stereo. Aber unsere big easy rauschte mit 11,5 Knoten durch die laue Nacht, und am Horizont glitten die Lichter von Kalkan und Kas´ vorbei. Der Mond zeigt uns den Weg und van Morrison, Lonnie Donegan und Chris Barber unterhielten mich mit Skifflemusik. Viel schöner kann das Leben eigentlich nicht sein.

Mittwoch war mein Tag der „drei Böen“. Die erste Böe erwischte uns morgens. Wir näherten uns Girne (Kyrenia). Meine Wache ging von 04:00 – 08:00 Uhr. Bei kräftigem Wind und 2–3 m Welle hatten wir das Vorsegel im 2. Reff und kein Groß, aber die Motoren zur Unterstützung. Ich saß im Salon und schrieb an diesem Bericht. Eine Gewitterfront zog langsam von hinter auf, plötzlich ein undefinierbares Rauschen und eine dunkele Regenwand rast mit 60 Knoten auf uns zu. Ich schreie Rudger aus der Koje und renne raus, um das Vorsegel zu bergen. Von einer Sekunde auf die andere bin ich völlig durchgeregnet: Als ich das Segel drin habe, ist die Böe auch durch. Rudger lugt um die Ecke, meint ich hätte ja alles im Griff und warum solle er auch noch nass werden und verzieht sich wieder in seine warme Koje. Na warte – Rache ist süß!

Da der alte, pittoreske Stadthafen von Girne voll war, mussten wir uns in den Handelshafen verholen. Beim Anlegemanöver kam die zweite Böe von der Seite und wehte eine parat liegende Achterleine über Bord, die sich natürlich sofort in die Schraube der Backbordmaschine zog. Die Manövrierfähigkeit des Schiffes war dahin. Gott sei Dank war die luvseitige Leine schon fest und das Anlegen klappte trotzdem einigermaßen.

Dann wollte ich zum Einklarieren ins Hafenbüro und hatte die Pässe und Papiere schon in der Hand, als Rudger meine Hilfe brauchte. Ich legte alles auf die Steuerbank und bemerke kurz darauf wie die dritte Böe alles von der Bank ins Cockpit fegte. Nur ein Pass wurde noch mal hochgeweht, überflog elegant die Reling und landete nach eine langgezogenen Linkskurve direkt im schmutzigen Hafenbecken. Wieder ein Schrei von mir, und komischerweise hatte Rudger die Hose schneller runter und sprang mit einem dumpfen Platschen ebenfalls ins Hafenbecken. Den Pass zwischen den Zähnen kam er wenig später angeprustet, noch auf der Badeleiter warf er einen Blink in den Pass und meinte trocken: „So ein Sch...., das ist ja deiner!“ Hahaha!

Im Hafenbüro empfing mich eine äußerst attraktive Zypriotin – Zypern ist die Insel der schönen Aphrodite und die heutigen Frauen stehen der in nichts nach. Schafrak Yulcu war ihr Name und ich versuchte in gebrochnem Englisch meine Wünsche vorzubringen. Nach zwei Minuten legte sie ihren Kopf lächelnd zur Seite und fragte mich: „Sprechen Sie auch deutsch?“ Sie sprach es perfekt. Dieser Montag war wohl doch nicht mein Tag.

Mit welcher Freundlichkeit uns diese Frau, aber nicht nur sie, behilflich war und unsere Formalitäten bei allen Behörden erledigte, muss einfach mal erwähnt werden. Und diese freundliche Hilfsbereitschaft haben wir fast überall vorgefunden, ob Türkei, Zypern, Libanon, Israel (mit leichten Einschränkungen) oder Ägypten. Der Orient ist einfach fantastisch. Ob Moslems, Christen, Drusen, Juden, Kommunisten oder Atheisten, der direkte Kontakt mit diesen Leuten zeigt, dass in unseren Medien einiges falsch oder einseitig dargestellt wird. Andere Kulturkreise zwar, man muss sich natürlich etwas anpassen. Aber es lohnt sich und zum Handeln oder zum Übervorteilen gehören immer zwei. Und wenn ich dann europäische Touristen in einem orientalischen Tempel sehe, er mit Schiesser-Unterhemd, Shorts und Badelatschen und sie mit einem tief ausgeschnittenen T-Shirt mit Spagettiträgern, Minirock,  aber ein A.... wie ein Brauereipferd. Und wenn mir danach eine elegant gekleidete, aber tief verschleierte Muslimin mit ihren sprühenden, dunklen Augen zulächelt, muss ich nicht überlegen wer zivilisierter ist.

Ich habe vorgegriffen, aber das musste mal gesagt werden. Aus den Böen in Girne wurde Sturm. Der Hafenmeister verhängte ein Auslaufverbot für alle Schiffe, und erst am Freitagmorgen um 06:00 Uhr ging es weiter. Abends umrundeten wir Cap Andreas, die Nordostspitze der Insel, und nahmen bei ruhiger See unter Motor Kurs auf Beirut im Libanon. Wir waren jetzt zu dritt an Bord, und Ümit, unser islamischer Yungster, musste erst mal an die christliche Seefahrt gewöhnt werden. Sein Angelversuch am Nachmittag war erfolglos. Bei 7 kn Geschwindigkeit beißt kein langsamer Fisch, aber Ümit wollte einen schnellen Barrakuda.  Meine Nachtwache ging von 00:00 – 04:00 Uhr, es war teilweise bewölkt und über dem syrischen Festland tobten sich einige Gewitter aus. Mir fielen weiße, reflektierende Lebewesen auf, die uns bald zu zigtausenden entgegen kamen. Quallen, oder was? Erst die Taschenlampe und dann der Bordscheinwerfer gaben mir Gewissheit: Kalamare! Noch nicht frittiert! Nachts schwammen sie an der Wasseroberfläche und morgens war unser gesamtes Vordeck schwarz vor Tinte. Ümit´s Wache begann um 04:00 Uhr und Nahe der syrischen Küste fühlte er sich nicht unbedingt wohl. Als die Gewitter (Blitze oder kurzes, kräftiges Wetterleuchten) über der syrischen Stadt Banias heftiger wurden, habe ich ihm von Geschützfeuer erzählt und, wenn die Einschläge dichter kämen, möge er einfach weiter auf die offene See steuern. Ich habe selten größere, ungläubigere Augen gesehen. Er hat sich irgendwann für diesen üblen Scherz revanchiert.

Während unsere Annäherung an Beirut erhielten wir schon wieder eine Sturmwarnung. Überhaupt war unser Libanonbesuch eine Geschichte für sich, aber auch der erste wirkliche Höhepunkt der Reise. Laut Mediterranean Almanac 2004 sollte schon außerhalb der 30 Meilenzone der jeweilige Hafen angefunkt und eine Einlaufgenehmigung eingeholt werden. Für unseren Zielhafen Port Jounie mussten wir „Oscar-Charly“ rufen und nach vielen vergeblichen Versuchen sind wir einfach in die Sicherheitszone eingelaufen und als wir nah genug waren, haben wir uns über Handy angemeldet. Dass „Oscar – Charly“  seit drei Jahren out ist, erfuhren wir auf diese Weise. Beim Einlaufen in fremdes Hoheitsgebiet muss man die jeweilige Nationalflagge unter der rechten Saling setzen. Als ich die Flagge aufzog, die Hansenautik mir als libanesische Gastlandflagge verkauft hatte, meinte Rudger noch: „Die haben doch normal eine Zeder im Banner.“ Als wir im Hafen festmachen wollten, reagierten die Offiziellen von Hafenbehörde und Zoll äußerst gereizt und verlangten lautstark, dass wir sofort und noch vor dem Anlegen die Flagge bergen sollten. Wir hatten dummerweise die syrische Flagge gesetzt und mit Syrien befindet sich der Libanon offiziell immer noch im Krieg und große Teile des Landes sind immer noch von Syrien besetzt. Um diese Scharte sofort auszuwetzen, wollte ich den Hafenmeister von einem österreichischen Segelfreund herzliche Grüße überbringen. Aber der hatte uns wohl einen falschen Namen übermittelt. Ich bezeichnete Mister Nabil Gemayel, aus dem Clan des ehemaligen Staatspräsidenten, irrtümlicherweise als Mr. Nakit und erntete nicht gerade Applaus. Warum müssen die Fettnäpfen eigentlich immer so dicht beieinander stehen! Noch bescheuerter kann man sich in einem fremden Land eigentlich nicht einführen. Die Strafe folgte auf den Fuß, denn kaum hatten wir unseren Liegeplatz erreicht und das Festmacherbier angesetzt, begann direkt zwischen den gegenüberliegenden Häusern eine wilde Schiesserei. Wir versucht noch festzustellen wo das ganze herkam, als die Garbe auf unserem Boot einschlug und mich ein Geschoss am linken Fuß traf. Mein Freund Hannes Schäfer hätte jetzt gesagt: „10.000 Mann im Stadion, und wer kriegt den Ball an den Kopf? Immer ich!“ Nachdem der erste Schreck verflogen war und immer noch kein Blut floss, stellten wir fest, dass es sich um Vogelschrot handelte und in der Siedlung wohl ein Wettschiessen auf Tauben veranstaltet wurde. Das war auch besser so. Auch Nabil Gemayel, der Hafenmanager und sein Team waren nach anfänglichen Irritationen äußerst hilfsbereit und freundlich.

Beirut – das Paris des Orients, über Jahre durch Brüderzwist oder Bürgerkrieg geschleift. Heute fast schon wieder eine Traumstadt – eine Weltfinanzmetropole mit dem Flair des Orients. 42 % Christen aus 8 Konfessionen und 53 % Moslems aus fünf Glaubensrichtungen. Moscheen und Kirchen aller Konfessionen stehen friedlich nebeneinander und als Außenstehender merkt man wenig von dem wohl noch vorhandenem Misstrauen zwischen den einzelnen Volksgruppen. Wir konnten uns überall in Stadt und Land frei bewegen.

Wir sind durch verschiedene Stadtviertel gegangen, auch über die alten Frontlinien, durch Bankenviertel mit internationalen Topgeschäften und traditionell arabische Geschäftsviertel. Im mondänen Cafe l`Etoile am gleichnamigen Platz haben wir ein paar Bier getrunken und im moslemischen Stadtteil Hamre im Lambhouse erstklassige arabisch-libanesische Küche genossen. Gut essen wird bei uns sowieso groß geschrieben. Alle drei versuchten wir manchmal zu kochen: z. B. am libanesischen Independenceday mussten wir uns während eines Unwetters die Zeit vertreiben. Das Schiff war ordentlich vertäut, und 45 Knoten Wind und ein Gewitterschauer nach dem anderen konnten uns nichts anhaben. Ümit bearbeitete seine letzten Fotos am Laptop und ich schrieb wieder mal an diesem Bericht. Rudger, der den Sportteil der „Süddeutschen“ gerade zum drittenmal gelesen hatte, wurde langweilig, und er verzog sich langsam in die Küchenecke. Fachmännisch teilte er 2,5 kg brasilianisches Rinderfilet in sechs gleiche Teile. Drei Steaks wurden für später in eine würzige Marinade eingelegt und der Rest kam sofort in die Pfanne. Als Beilage gab es Zucchini- und Auberginenscheiben in Olivenöl gebacken  und meine Lieblingskartoffel, Rösti aus grob geraspelten rohen Kartoffeln mit viel Zwiebeln und frischen Kräutern. Die Sahnesoße mit grünem Pfeffer mussten wir mangels Cognac leider mit Whisky abschmecken. Dass man die Steaks, während man die Soße bereitet, auch hochkant in die Pfanne stellen kann, war für mich neu. Aber man lernt ja bekanntlich nie aus. Eine gemischte Käseplatte zum Nachtisch mit Ziegen- und Schafskäse, Camembert und Gorgonzola und zu allem erstklassischen libanesischen Rotwein für ganz kleines Geld. Da wir für das Steakfleisch pro kg nur unter fünf!!! € bezahlt haben und Gemüse und Milchprodukte im Libanon fast verschenkt werden, hat uns dieser lukullische Hochgenuss für drei Personen mit Wein weniger als 20 € gekostet.

Überhaupt bieten die Supermärkte hier Einkaufserlebnisse besonderer Güte: Spinneys ist Aldi mal 20 mit dem Service eines guten Fachgeschäftes und Monoprix ist Feinschmeckertempel mit Superpreisen. Deshalb wurde vor dem Auslaufen auch noch mal richtig nachgebunkert, besonders das gute, superbillige Steakfleisch. Als unser Taxifahrer, ein christlicher Araber, merkte, dass wir aus „Allemagne“ kamen, hat er uns den ganzen Weg auf arabisch und gebrochenem Englisch die deutschen Tugenden und von Made in Germany vorgeschwärmt. Dass wir mit einem Segelboot im Libanon waren und auch noch nach Ägypten wollten, hat in schier umgehauen. Zum Abschied hat er Haltung angenommen, ein Kreuzzeichen geschlagen, dann salutiert und „Heil Hitler“ gerufen. Dann hat er mich spontan in den Arm genommen, auf die Wangen geküsst und ist stolz wie Oskar mit seinem Mercedes Baujahr 1970 davongefahren. Wenn ich dem erzählt hätte, was heute in seinem hochverehrten Deutschland gejammert und lamentiert wird, dann hätte dieser alte Mann seinen Glauben an diese Welt wohl ganz verloren.

Baalbeck, wohl die gigantischste antike Stadt, die ich bisher gesehen habe. Die unerhörte Pracht der ausgedehnten Ruinen zeugt von der glorreichen Vergangenheit Baalbecks. Die sechs noch stehenden Säulen des Jupiter-Helios Tempels mit den prachtvoll verzierten korinthischen Kapitellen und den Gesimsen. Wie Handwerker zu Zeiten Kaiser Augustus so etwas leisten konnten, wird mir wohl für immer verschlossen bleiben. Dieses antike Wunderwerk liegt in der nördlichen Bekaaebene zwischen  dem schneebedeckten Libanon- und Antilibanongebirge, in einem Gebiet, das nicht nur von der syrischen Armee besetzt, sonder auch noch fest in der Hand radikalen Gotteskrieger der Hisbollah ist. Diese gefährlich aussehenden, selbsternannten Krieger Allahs, die das von Ihnen okkupiert Gebiet mit Steinzeitmethoden terrorisieren, kontrollieren auch vor den Toren des heutigen Baalbeck ein palistinänsisches Flüchtlingslager. Eines von vielen im Libanon, in dem noch heute, 56 Jahre nach der ersten Vertreibung aus Israel, Menschen von ihren arabischen Brüdern in unwürdigen Behausungen wie Vieh gehalten werden, und wo junge Menschen ohne jede Lebensperspektive von gewissenlosen Mullahs zu Selbstmordattentätern dressiert werden. Der Libanon ist ein hochinteressantes Land voller dramatischer Gegensätze, aber meiner Meinung nach auch ein Land mit einem gewaltigen positiven Potenzial für die Zukunft. Ich war sicherlich nicht zum letzten Mal dort. Inschallah!

 

Am 24.11. sind wir abends um 20:30 Uhr in Port Jounie ausgelaufen und haben Kurs auf Port Said angelegt. 230 sm in 223°, das ist unter normalen Umständen in 30 –36 Stunden zu schaffen. Leider hatten wir schon kurz nach den Start Südwind, der in der Nacht immer stärker auffrischte. Gegen 08:00 Uhr Windstärke 7 und gegen 10:00 Uhr drehte das Ganze auf Südwest und erreichte in Böen 9 Bft. und Wellen bis 4 m  hoch. Alles genau von vorn. Da gaben wir auf und sind nach Haifa in Israel abgelaufen. Auf Position 33°00 N und 34°45 E, noch außerhalb der 12-sm-Zone, wurden wir um 16:00 Uhr von einem Schnellboot der israelischen Navy gestoppt. Beide Bordgeschütze waren besetzt und zeitweise auf uns gerichtet. Wir mussten die Segel bergen und den Motor stoppen. Bei 3 m Wellen und immer noch böigem Wind wurden wir über UKW-Funk auf offener See verhört: Name des Schiffes, Heimathafen, Flagge und Registrierungsnummer. Namen, Nationalität und Passnummer des Kapitäns und der Crew. Woher und wohin und warum nach Israel und warum vorher im Libanon usw. usw. usw.  Beinahe 1,5 Stunden, nervtötend. Dann verschafften sie uns aber die Genehmigung in die Kishon-Marina von Haifa einzulaufen und weiter ging es. Noch vor dem Haupthafen erwartete uns ein Boot der Polizei. Unser Einwand, wir würden in der Marina erwartet, interessierte nicht. Erst in den Handelshafen. Passkontrolle durch die Immigration und Sicherheitsverhör durch die Security, im offenen Hafen. Zeitweise bei strömendem Regen den ganzen Fragenkatalog noch mal, von vorne und von hinten, usw. usw.  Nach einer Stunde bin ich dann frech geworden, komplett durchgeregnet, der Marinamanager nicht mehr da, wir wussten nicht wohin und die Security-Tussis zuckten mit den Schultern. Unseren Liegeplatz haben wir natürlich nicht mehr gefunden, und so mussten wir, völlig schutzlos gegen die offen See, an einem Behelfssteg festmachen. Nachts orgelte uns der Wind mit 40 Knoten durch die Wanten und unser Boot hatte ordentlich mit dem Schwell zu kämpfen. Am nächsten Morgen mussten wir die „big easy“ mit einem äußerst riskanten Manöver ablegen und in die Marina verholen. Die Mädels von der Security, so hübsch sie auch waren, ich hätte sie einzeln erwürgen können. Am Sonntagmorgen wollten wir früh auslaufen – am Shabbat geht in Israel leider gar nichts. Um 08:00 Uhr im Marinabüro 160 Shekel Liegegebühr bezahlen und 10 Minuten später auslaufen wäre eine Möglichkeit gewesen. Aber in der Marina durften sie kein Geld nehmen. Bezahlen nur in der Hafenverwaltung im Handelshafen ca. 6 km entfernt. Mit  einem Taxi brauchten wir 90 Minuten, um an den Sicherheitskontrollen vorbeizukommen, und das auch nur mit Hilfe des hebräisch sprechenden Taxifahrers. Leider war dann die Sachbearbeiterin nicht da. Irgendwann fanden wir jemanden, der bereit war unsere Papiere zu bearbeiten. Dann mussten wir zur Kasse, die aber nur israelische Shekel akzeptierten. Das alles in einem großen internationalen Hafen. Keine Dollars, keine €uros und keine Kreditkarten. Dass es im Stockwerk drüber einen Bankautomaten gab, haben die uns erst erzählt, nachdem ich unserem Taxifahrer sein gesamtes Bargeld abgeschwatzt hatte. Es war 13:10 Uhr als zwei Damen der Immigration extra in die Marina kamen, das letzte Papier stempelten und uns freundlich lächelnd überreichten. Das war keine Bürokratie mehr, ich habe es als Schikane empfunden. Als zwei Stunden nach dem Auslaufen aus Haifa noch mal das Schnellboot der Marine auftauchte, um uns erneut zu befragen, allerdings ohne uns anzuhalten, hat mich meine Crew nur mit Mühe vom UKW-Sprechfunk fernhalten können. Denen hätte ich sofort den Krieg erklärt. Bei soviel übertriebenem Sicherheitsdenken war die Besichtigung der traumhaft schönen Bahá’i-Gärten mit dem goldenen Tempel am Hang des Carmelgebirges und ein Stadtbummel durch Haifa nur ein schwacher Trost.

Fortsetzung folgt.

Nachdem ich jetzt vier wunderschöne Monate im Roten Meer verbracht habe, möchte ich auch im nächsten Winter wieder hierher. Für die nächste Saison, einschließlich Hin- und Rückfahrt, suche ich noch interessierte Gäste.

Am 24.0ktober starten wir in Bodrum, sie können auch am 7. November auf Zypern zusteigen.

Rufen Sie mich einfach an Telefon 05207-4405

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